Baumschäden durch Hängematte & Slackline

Heute im Park wurde ich gebeten meine Hängematte abzuhängen, da ich keinen probaten Kambiumschutz verwendet habe. Wenn man sich so einen fetten Baumstamm von 40 cm Durchmesser anschaut, denkt man in erster Linie nicht daran, dass dieser Schaden nehmen könnte, sondern eher an Beschädigungen am Gurt der Hängematte oder der Slackline durch die scharfe Rinde.

Die Händler weisen Ottos nicht unbedingt auf diesen Zusammenhang hin, sodass erst später u.U. festgestellt wird, dass man die Lieblingsmatte im städtischen Lieblingspark nicht benutzen darf, weil die Grünflächenämter die Nutzung ohne einen speziellen Kambiumschutz in einigen Städten strikt untersagen.

Aber was ist, wenn ich am JWD-See über dem Boden baumeln möchte? Da greift keine Grünflächenverordnung, oder? Mal ganz abgesehen von irgendwelchen Verordnungen, möchte ich als Naturfreund natürlich nicht, dass meine beiden Lieblingsbäume durch den Druck der Gurte auf die Dauer eingehen. Ich habe mal dazu meinen lieben Kollegen Malte Wiegand gefragt, der ambitionierter Forstbeamter in Niedersachsen ist und der hat mir folgendes dazu geschrieben:

„Draußen im Wald gibt es zwar keine Grünflächenverordnung, aber hier in Niedersachsen sind die Regeln über das Verhalten in der „freien Landschaft“ im Niedersächsischen Gesetz über den Wald und die Landschaftsordnung (NWaldLG) geregelt. Jedes Bundesland hat da sein eigenes „Waldgesetz“, in dem steht was man eben im Wald darf und was nicht1. Auch wenn man erst den Eindruck hat, dass so ein alter mächtiger Baum von so einem vergleichbar geringem Gewicht in einer Hängematte überhaupt irgendwelche Schäden davon trägt, sind es die punktuell hohen seitlichen Belastungen, Quetschungen und Reibungen direkt unter der Rinde, die das empfindliche Kambiumgewebe (verantwortlich für das sekundäre Dickenwachstum des Baumes) und den sogenannten Bast (leitet gelöste Nährstoffe von der Baumkrone Richtung Wurzeln) zerstören bzw. schädigen können. Die Wahrscheinlichkeit erhöht sich je häufiger und je länger ein Baum diesen Kräften ausgesetzt ist. Sicherlich muss man hier jede Baumart und auch jeden Baum unterschiedlich bewerten, aber gerade jüngere Bäume und Baumarten mit eher dünner Borke, wie Buche, Fichte, Tanne, Bergahorn, etc. sind eher empfindlich für solche Schädigungen.
Als Grundsatz sollte einfach gelten, dass wann immer ich mich auf fremden Grundbesitz bewege ich auch die größtmögliche Vorsicht walten lasse um fremdes Eigentum nicht zu beschädigen.
Um nicht gleich immer einen Schrank voll verschiedener Waldgesetze dabei zu haben gilt aber grundsätzlich, das Schädigungen des Eigentums verboten sind. Denn die Bäume im Wald gehören eben auch Jemandem. Sei es dem Staat oder einem privaten Waldbesitzer. (48% der Waldfläche in D. sind in Privatbesitz)
Wenn man die Chance hat mit dem zuständigen Revierförster zu sprechen oder sich direkt die Erlaubnis des Waldbesitzers vor Ort holen kann ist das der sicherste Weg Ãrger aus dem Weg zu gehen.

Auch die Anbringung der Slackline oder der Hängematte am Baum ist wichtig, um die Quetschbeanspruchungen des Baumes einerseits und die des gechoked’en Bandes andererseits statisch gesehen günstig zu halten. Ich habe dazu mal einige Rechenbeispiele angefügt. Zuerst betrachten wir, welche Kraft in den Seilenden der Matte auftreten, wenn ich 110kg schwerer Mensch mich da reinpfleze:

Auf je ein Aufhängeseil wirkt eine Gewichtskraft von ~ 160 kg, ohne dynamische Lastfälle durch das Setzen, Aufstehen, Drehen und Schaukeln in der Matte. Als nächstes betrachten wir die Schlinge um den Baum, wobei es hierbei eine günstigste Aufhängeart  gibt (aus der Perspektive des Baumschutzes).

Hier ist die mittige Position der Schlaufe am günstigsten, weil sich die Gewichtskraft von  meinen ~ 110 kg gleichmäßig auf die „Auflagerpunkte“ oder anders, auf die beiden Stränge am Baum verteilt. So wirkt ein viel geringerer Druck auf die Fläche des Gurtes, als bei den anderen Varianten. Durch die Linienförmigkeit der Kräfte im Strang, verteilt sich also wesentlich weniger Kraft auf die Fläche um den Baum herum, sodass ich die Bast- und Kambiumschicht in Verbindung mit einem Baumschutz bei den von Malte erwähnten Jungbäumen mit dünner Borke weniger belaste und den Baum nachhaltig schützen kann.

Aus der Perspektive des Gurtes wiederum, wäre die Variante #3 aus der Grafik günstiger, weil im Gurt dann nur die resultierende Gewichtskraft wirkt und der Choke nicht mehr so an sich selbst „zieht“. Doch die resultierende punktuelle Kraft ist auf eine wesentlich kleinere Fläche verteilt, wodurch die Belastung der Rinde an diesen Stellen viel höher ist. Aber wir wollen hier nur den Baum betrachten, ohne Dynamik und Reibwert, also die punktuelle oder flächenmäßige Verteilung der Kraft auf den Baum. 😉

Fazit:

  • Wenn ihr eure Hängematte aufhängt, achtet darauf, dass diese auch ein wenig „durchhängt“ und nicht superstraff gespannt ist, um die Kräfte im Gurt geringer zu halten, wenn ihr euch reinlegt
  • Wenn ihr den Gurt um den Baum herum legt, achtet darauf, dass ihr 1) einen Baumschutz verwendet, um die Kraft gleichmäßiger „um“ den Baum zu verteilen
  • Wenn ihr den Gurt um den Baum herum legt, achtet darauf, dass ihr 2) die Schlaufe mittig vorm Baum hängen lasst, damit seitlich nicht so viel Druck auf die Rinde ausgeübt wird

Sehr empfehlenswert ist auch diese PDF vom deutschen Slacklineverband (schaut euch die Grafik mal auf Seite 2 genauer an!): https://deutscherslacklineverbanddotorg.files.wordpress.com/2015/12/baumschutz_beim_slacklinen_2012.pdf

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1. https://bushcraft-germany.com/lexicon/index.php?entry/4-landeswaldgesetz-lwaldg/

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